Fondspolice vs. ETF-Sparplan: Wann sich der Steuervorteil wirklich lohnt
Eine Fondspolice (auch Rentenversicherung genannt) kann den freien ETF-Sparplan schlagen, aber nur unter engen Bedingungen. Sie braucht mindestens 20 Jahre Laufzeit und Effektivkosten um die 1 % pro Jahr. Beim Ansparen fällt keine Vorabpauschale an und Umschichten kostet keine Steuer, bei der Auszahlung greift das Halbeinkünfteverfahren. In unserer Beispielrechnung zieht eine Police mit 0,8 % Kosten selbst bei exakt gleicher Rendite mit etwa 73 am Sparplan vorbei. Einer Police mit 3 % Kosten geht dagegen mit 79 das Geld aus. Über die Vertragswahl entscheidet sich also mehr als über die Produktfrage.
Das Wichtigste in Kürze
- Unter 15 Jahren Anlagehorizont gewinnt der freie ETF-Sparplan praktisch immer, egal wie gut die Police ist. Die Abschluss- und Vertriebskosten sind ein Fixblock, den eine Police erst wieder hereinholen muss.
- Die Kosten entscheiden alles. Eine Police mit 3 % Effektivkosten rechnet sich über keine Zeitspanne der Welt. Erst bei rund 1 % pro Jahr oder darunter wird sie wettbewerbsfähig.
- Der Steuervorteil wirkt an zwei Stellen. Im Mantel wächst dein Geld ohne Vorabpauschale und du kannst steuerfrei umschichten. Bei Auszahlung versteuerst du nur die Hälfte der Erträge, sofern der Vertrag 12 Jahre lief und du mindestens 62 bist.
- Fast alle Vergleiche rechnen mit 7 % für beide Seiten. Vanguard hat über Jahrzehnte gemessen, dass Selbstumsetzer deutlich darunter landen. Schon ein halbes Prozent Abschlag dreht die Rechnung.
- Insbesondere in der Rentenphase wird der Unterschied signifikant. Hier spielt die günstige Police ihre volle Stärke aus.
Du sparst schon seit einigen Jahren regelmäßig in einen ETF-Sparplan. Damit bist du schon besser unterwegs als viele andere Menschen da draußen. Trotzdem bleibt eine Frage offen, die in den gängigen Vergleichen meistens unter den Tisch fällt. Gibt es Konstellationen, in denen eine Fondspolice, also eine private Rentenversicherung, rechnerisch mehr aus deinem Geld macht als dein Sparplan? Oder tust du mit einem solchen Vertrag nur dem Versicherungsunternehmen etwas Gutes?
Die Antwort ist ja, eine Fondspolice KANN sich lohnen. Und die dafür nötigen Konstellationen sind weniger exotisch, als du vermutlich denkst.
Dieser Artikel gibt dir die fünf Faktoren an die Hand, mit denen du diese Frage für deine eigene Situation sauber beantworten kannst. Am Ende steht eine konkrete Vergleichsrechnung über ein ganzes Anlegerleben, in der ein einziger Faktor über einen sechsstelligen Unterschied beim Endkapital entscheidet.
Zwei Modelle, ein Unterschied
Bevor es um die Faktoren geht, lohnt ein kurzer Blick darauf, was die beiden Modelle eigentlich sind.
Ein freier ETF-Sparplan ist im Kern ein Wertpapierdepot bei einem Online-Broker. Du wählst deine ETFs aus, legst eine monatliche Sparrate fest, und der Broker kauft automatisch für dich ein. An dein Geld kommst du jederzeit heran.
Eine Fondspolice ist eine Rentenversicherung, in der genau dieselben ETFs liegen können. Außen der Versicherungsmantel, innen die ETFs. Der eigentliche Unterschied steckt also nicht in den Wertpapieren, sondern in dem Mantel, der sie umgibt.
Und dieser Mantel unterscheidet sich in drei Punkten vom freien Depot.
Erstens die Kosten. Im freien Sparplan zahlst du im Wesentlichen die laufenden ETF-Kosten von vielleicht 0,2 % pro Jahr, dazu ggf. einen kleinen Aufschlag des Brokers für die Sparplanausführung. In der Fondspolice kommen die Vertrags- und Verwaltungskosten obendrauf, je nach Anbieter zwischen 0,5 und 3 % pro Jahr. Wie stark dieser Punkt wiegt, zeigt sich bei Faktor 3.
Zweitens die Besteuerung während der Ansparphase. Im freien Depot fällt jedes Jahr die Vorabpauschale an, eine Steuer auf theoretisch erwirtschaftete Gewinne, die deinen Zinseszinseffekt bremst.
Dazu kommen Steuern auf jede Umschichtung. Diese lassen sich über die Jahrzehnte nicht vermeiden. Typische Beispiele sind ein Rebalancing zwischen deinem US- und deinem Europa-Anteil, ein ETF, den der Anbieter zusammenlegt oder auflöst (das kommt häufiger vor, als man denkt), der Wechsel in defensivere Anlagen in den Jahren vor dem Rentenbeginn oder eine Anpassung an veränderte Marktbedingungen. Bei jeder dieser Aktionen werden sofort Abgeltungssteuer und Soli fällig, und jede dieser Steuerzahlungen knabbert am Zinseszinseffekt.
In der Fondspolice fällt davon nichts an. Solange dein Geld im Vertrag liegt, bleibt es steuerfrei. Du kannst innerhalb des Mantels beliebig oft umschichten, ohne dass dabei Steuern anfallen. Auf 20 oder 30 Jahre gerechnet ist das ein deutlich größerer Hebel, als die meisten Vergleichsrechner abbilden.
Drittens die Besteuerung bei der Auszahlung. Im freien Depot fällt beim Verkauf die Abgeltungssteuer von rund 26 % an, bei Aktien-ETFs gemildert durch die Teilfreistellung von 30 %. In der Fondspolice gilt stattdessen das Halbeinkünfteverfahren, sofern der Vertrag mindestens 12 Jahre gelaufen ist und du 62 Jahre oder älter bist. Dann versteuerst du nur die Hälfte der Gewinne, und zwar mit deinem persönlichen Einkommensteuersatz. Je nach Steuersatz im Alter ist das ein deutlicher Vorteil.
Für den gesamten Vergleich in diesem Artikel gilt übrigens eine wichtige Annahme: In beiden Modellen liegen die gleichen ETFs. Nur so ist der Vergleich fair und nur so geht es wirklich um den Mantel, also um Kosten, Steuern, Anlegerverhalten, Vertragsaufbau und Flexibilität.
WeiterlesenWorauf es beim ETF-Kauf ankommtWelche Fonds du in den Mantel legst, ist eine eigene Frage.Welches Modell am Ende vorne liegt, hängt an fünf Faktoren.
Faktor 1: Dein Anlagehorizont
Der wichtigste Faktor ist zugleich eine einfache Frage. Wie lange wirst du das Geld nicht anfassen?
Die ehrliche Antwort darauf entscheidet bereits einen großen Teil der Diskussion. Bei einem Anlagehorizont unter 15 Jahren gewinnt ein freier ETF-Sparplan praktisch immer, egal wie gut die Fondspolice ist.
Der Grund sind die Abschluss- und Vertriebskosten der Police. Diese einmaligen Kosten muss der Vertrag erst wieder hereinholen, bevor er überhaupt anfangen kann, gegen den Sparplan zu gewinnen. Sie sind ein Fixblock, der gerade am Anfang schwer wiegt, und bis die Steuervorteile beim Ansparen und Auszahlen diese Hypothek aufgeholt haben, vergehen Jahre.
Ab ungefähr 20 Jahren Laufzeit kippt das Bild langsam. Die jährliche Steuerstundung, also die wegfallende Vorabpauschale und die gesparten Steuern beim Umschichten, verzinst sich mit. Dieser Effekt wirkt exponentiell. Über die gesamte Laufzeit kann allein dieser Punkt einen sechsstelligen Unterschied im Endkapital ausmachen, sofern die übrigen Faktoren passen.
Als Faustregel kommt eine Fondspolice deshalb überhaupt erst in Frage, wenn du das Geld ehrlicherweise 20 Jahre oder länger nicht anfassen wirst. Alles darunter ist verschenktes Geld.
Passt der Horizont, folgt der nächste Faktor. Der ist deutlich unangenehmer, weil er dich zwingt, ehrlich zu dir selbst zu sein.
Faktor 2: Deine realistische Rendite
Fast jeder Online-Vergleichsrechner rechnet mit 7-8 % pro Jahr. Das ist die historische Durchschnittsrendite eines breit gestreuten Aktien-ETFs, und als Annahme ist sie mathematisch absolut belastbar.
Das Problem liegt woanders. Die wenigsten Selbstumsetzer erreichen diese 7 % in der Praxis.
Das klingt zunächst seltsam. Wer einen ETF auf einen Index hält, der 7 % macht, müsste doch automatisch 7 % bekommen. Theoretisch stimmt das, praktisch nicht. Vanguard hat genau diese Lücke in einer der bekanntesten Studienreihen der Branche minutiös aufgearbeitet.
Ein Wort zur Quelle, damit du das Gewicht dieser Aussage einordnen kannst. Vanguard ist nach BlackRock der zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt und gilt als Pionier der passiven Indexfonds, also der ETFs. Die Studienreihe Advisor's Alpha stützt sich auf Daten aus zehntausenden realer Anlegerkonten über mehrere Jahrzehnte. Und Vanguard verdient sein Geld mit Indexfonds, nicht mit Anlegerberatung. Es gibt also keinen Interessenkonflikt, wenn dort gemessen wird, was Selbstumsetzer tatsächlich aus dem Markt holen.
Das Ergebnis ist eindeutig. Der durchschnittliche Selbstumsetzer liegt deutlich unter der ETF-Rendite. Die Gründe dafür sind über die Jahrzehnte erstaunlich konsistent. Anleger versuchen, den Markt zu timen, vernachlässigen das Rebalancing oder verkaufen in Panik, wenn die Kurse fallen. Sie wählen eine Asset-Allokation, die nicht zu ihrer Risikotragfähigkeit passt, vergessen, die Sparrate anzuheben, wenn das Gehalt steigt und es fehlt ganz generell ein roter Faden bei der eigenen Anlage.
Für den Vergleich hat das eine klare Folge. Erwirtschaftest du als Selbstumsetzer realistisch eher 4 bis 5 % statt der theoretischen 7 %, schrumpft der Vorsprung des freien Sparplans deutlich, und manchmal verschwindet er komplett. In der Beispielrechnung weiter unten gehen wir trotzdem nur von einem halben Prozent Unterschied aus, also von 6,5 statt 7 %. Das ist bewusst die konservativste Variante.
Übrigens, lässt du deine Anlage von einer Vermögensverwaltung managen, kostet das typischerweise 0,8 bis 1,5 % pro Jahr. In einer guten ETF-Police sind solche Kosten oft schon in den Effektivkosten enthalten, im freien Depot kommen sie obendrauf. Für viele Anleger kippt allein dieser Punkt die ganze Rechnung zugunsten der Police.
Bleibt eine ehrliche Frage an dich selbst: Traust du dir zu, über die nächsten Jahrzehnte konsequent dranzubleiben und am Ende wirklich die volle Marktrendite mitzunehmen? Wenn du da kurz ins Grübeln kommst, bist du in bester Gesellschaft. Den allermeisten geht es genauso. Und die Studie von Vanguard bestätigt das Ganze.
Faktor 3: Die Kosten der Police
An diesem Punkt entscheidet sich für die Police alles.
Die Bandbreite am Markt ist riesig. Effektivkosten von 3 % pro Jahr und mehr sind keine Seltenheit, während sauber ausgewählte Verträge am anderen Ende des Spektrums auf 1 % pro Jahr oder sogar darunter kommen.
Mathematisch ist die Sache klar. Eine Police mit 3 % Effektivkosten kann sich gegen einen freien Sparplan über keine Zeitspanne der Welt rechnen, weil die Steuervorteile schlicht nicht ausreichen, um diese Kostenlast aufzufangen.
Bei Kosten um die 1 % oder weniger wird die Police dagegen wettbewerbsfähig, und in genau diesem schmalen Korridor entscheidet sich, ob sie für dich die richtige Wahl ist. Alles dazwischen ist eine Grauzone, in der die übrigen Faktoren den Ausschlag geben.
Bei der Vertragssuche kommt es deshalb auf die Beratung an. Wer dich berät, sollte zwei Dinge mitbringen. Erstens Unabhängigkeit vom einzelnen Produktgeber, also keine Bindung an eine bestimmte Versicherung. Zweitens Erfahrung in genau diesem speziellen Marktsegment.
Faktor 4: Der Vertragsaufbau
Am Vertragsaufbau scheitern die meisten alten Verträge.
Die größere Falle lauert aber am Ende der Laufzeit, bei der Verrentung.
Bei einer Fondspolice hast du zum Ablauf zwei Optionen. Die Kapitalauszahlung bringt dir den vollen Wert deines Vertrags als Einmalbetrag. Bei der Verrentung zahlt dir die Versicherung stattdessen auf Basis eines Rentenfaktors eine lebenslange monatliche Rente.
Die Verrentung klingt zunächst verlockend, schließlich bist du lebenslang abgesichert. Das Problem steckt im Rentenfaktor. Die Versicherung kalkuliert ihn maximal vorsichtig, geht also davon aus, dass du sehr alt wirst. Dadurch setzt sie die monatliche Rente entsprechend niedrig an. Um dein eingezahltes und erwirtschaftetes Kapital über die Rentenzahlungen überhaupt wieder herauszubekommen, musst du in vielen Verträgen 90, 100 oder noch älter werden.
WeiterlesenOb sich deine betriebliche Altersvorsorge lohntDieselbe Rechnung stellt sich bei jedem Vertrag mit Verrentungspflicht.Mein Ansatz in den meisten Beratungsfällen sieht deshalb anders aus. Die Vertragslaufzeit so lang wie möglich wählen, das Geld auch im Ruhestand investiert lassen, gerne mit einer defensiveren ETF-Auswahl, und sich dann in regelmäßigen Abständen selbst eine Rente entnehmen. Das erfordert ein bisschen Selbstdisziplin, holt aber rechnerisch das Maximum aus dem Vertrag heraus.
Damit dieser Ansatz funktioniert, muss der Vertrag ihn allerdings zulassen. Genau darum geht es beim letzten Faktor.
Faktor 5: Die Flexibilität
Flexibilität ist deine Versicherung gegen die Lebensrealität.
Eine wirklich gute Fondspolice muss vier Dinge können:
- Teilentnahmen jederzeit und ohne Strafgebühr
- Beitragspausen, wenn das Leben gerade dazwischenkommt
- Beitragsanpassungen nach oben wie nach unten
- kostenfreie ETF-Umschichtungen innerhalb des Mantels
Die Realität am Markt ist ernüchternd. Viele Verträge erlauben das alles auf dem Papier, kassieren aber für jede dieser Aktionen eine Gebühr oder heben die laufenden Kosten an.
Würdest du heute einen Vertrag unterschreiben, der deine Lebenssituation in 25 Jahren in ein enges Korsett zwingt? Vermutlich nicht. Genau deshalb ist Flexibilität bei einer modernen Police kein nettes Extra, sondern ein Muss.
Die Rechnung: ein Anlegerleben von 30 bis 85
Bleibt die versprochene Vergleichsrechnung. Statt vieler abstrakter Kombinationen nehmen wir ein einziges, möglichst realistisches Beispiel und rechnen es über ein ganzes Anlegerleben durch, vom ersten Sparbeitrag bis weit in den Ruhestand hinein.
Die Annahmen der Rechnung
- Start
- 30 Jahre alt
- Sparphase
- 200 € im Monat, bis zur Rente mit 67
- Entnahmephase
- 2.000 € netto im Monat, ab 67
- Dynamik
- beide Beträge +2 % pro Jahr, als Inflationsausgleich
- Anlage
- dieselben ETFs in allen drei Modellen
Drei Kandidaten
- ETF-Sparplan, nur ETF-Kosten
- Police, 0,8 % Kosten
- Police, rund 3 % Kosten
Zwei Rendite-Welten
Außerdem gerechnet mit 35 % Grenzsteuersatz im Alter, 10 % Umschichtung pro Jahr, ohne Kirchensteuer und mit 750 € Sparerfreibetrag im Sparplan.
Dem freien Sparplan stehen dabei nicht eine, sondern zwei real existierende Fondspolicen gegenüber. Die günstige liegt mit rund 0,8 % Effektivkosten genau im sauberen Korridor aus Faktor 3. Die teure mit rund 3 % ist ein Vertrag, wie er leider immer noch massenhaft verkauft wird.
Gerechnet wird in zwei Rendite-Welten. In der ersten bekommen alle drei exakt die gleichen 7 % pro Jahr, der absolute Bestfall für den Selbstumsetzer, denn er holt die volle Index-Rendite ohne jeden Abzug. In der zweiten bekommt nur der Sparplan einen Abschlag von 0,5 %, also 6,5 statt 7 %. Das ist die konservativste Lesart dessen, was Vanguard gemessen hat. In der Realität fällt der Abschlag meistens größer aus.
Welt 1: alle drei mit 7 %
Alle drei mit 7 % Rendite
- ETF-Sparplan
- Police, 0,8 % Kosten
- Police, rund 3 % Kosten
Zuerst der Bestfall für den Sparplan.
Nach 15 Jahren, die Person ist jetzt 45, liegt der Sparplan mit rund 66.500 € Wert vorn. Die günstige Police kommt auf gut 55.000 €, die teure auf nur 43.000 €. Beide Policen haben ihre Abschlusskosten noch nicht aufgeholt, die teure erst recht nicht.
Zum Rentenbeginn mit 67 liegen Sparplan und günstige Police praktisch gleichauf, rund 388.000 zu 368.000 €. Die teure Police hängt mit 236.000 € abgeschlagen hinterher, über 130.000 € hinter der günstigen. Drei Mal die gleichen ETFs, drei Mal die gleiche Rendite, und trotzdem dieser Abstand. Das ist allein der Mantel.
Mit der Entnahmephase trennt sich dann alles. Die 2.000 € Monatsrente sollen netto ankommen, die Steuern darauf werden direkt aus dem Vermögen bezahlt. Weil der Sparplan bei jeder Entnahme die volle Abgeltungssteuer zahlt, die günstige Police aber nur nach dem Halbeinkünfteverfahren besteuert wird, dreht sich das Blatt. Mit etwa 73 zieht die günstige Police am Sparplan vorbei, und am Ende, mit 85, hat sie über 52.000 € mehr im Topf. Bei exakt gleicher Rendite.
Die teure Police erlebt dieses Duell gar nicht mehr mit. Hohe Kosten und Entnahmen zusammen zehren sie so schnell auf, dass ihr mit etwa 79 mitten im Ruhestand das Geld ausgeht.
Welt 2: ein halbes Prozent weniger für den Sparplan
Sparplan mit 6,5 %, beide Policen mit 7 %
- ETF-Sparplan
- Police, 0,8 % Kosten
- Police, rund 3 % Kosten
Dieselbe Rechnung noch einmal mit dem realistischen Abschlag. Der Sparplan macht hier 6,5 statt 7 %, die beiden Policen unverändert 7 %.
Das halbe Prozent reicht bereits, damit die günstige Police schon zum Rentenbeginn vorn liegt, um rund 13.600 €. In der Entnahmephase zieht sie dann komplett davon. Mit 85 hat sie rund 169.000 € mehr als der Sparplan, fast das Viereinhalbfache, während der Sparplan zu diesem Zeitpunkt bereits rapide abschmilzt.
Die teure Police bleibt auch in dieser Welt, was sie ist, nämlich mit etwa 79 leergelaufen.
Was die Rechnung zeigt
Aus dieser Rechnung lassen sich vier Dinge mitnehmen.
- Über einen kurzen Horizont gewinnt der freie Sparplan zuverlässig. Nach 15 Jahren liegt er in beiden Rendite-Welten und gegen beide Policen vorn, weil der Steuervorteil schlicht noch nicht genug Zeit hatte, sich auszuzahlen.
- In der Entnahmephase kippt das Bild zugunsten der günstigen Police, und zwar selbst dann, wenn beide exakt die gleiche Rendite erzielen. Der steuerliche Vorteil ist hier der entscheidende Hebel, denn die ETFs laufen auch im Ruhestand steuerfrei weiter. Nur die Auszahlung selbst ist steuerpflichtig. Genau diesen Effekt blenden die meisten Vergleiche aus, weil sie nur bis zum Rentenbeginn rechnen und danach aufhören.
- Der Vorsprung des Sparplans in der 7-Prozent-Welt ist nicht nur klein, er ist auch vergänglich. Mit 67 sind es gerade einmal 5 %, und in der Entnahmephase schmilzt er komplett weg. Sobald real auch nur ein halbes Prozent Rendite fehlt, gewinnt die günstige Police vom ersten Rententag an, am Ende um das Viereinhalbfache.
- Bei der teuren Police entscheidet sich gar nichts mehr. Sie verliert nicht knapp, ihr geht im Ruhestand das Geld aus, in beiden Rendite-Welten ist das Kapital mit etwa 79 vollständig aufgebraucht. Bei der Vertragswahl entscheidet sich also nicht nur, ob die Police gewinnt, sondern ob am Ende überhaupt etwas übrig bleibt.
Diese ganze Rechnung ist bewusst optimistisch zugunsten des Sparplans gebaut. Dem Selbstumsetzer haben wir im Bestfall die volle Index-Rendite geschenkt und im Realfall nur ein halbes Prozent abgezogen. Sobald dieser Abschlag realistischer ausfällt, was die Studienlage klar nahelegt, oder der Sparplan auch nur minimal teurer wird als hier angenommen, rückt der Break-Even-Punkt nach vorne und der Abstand zugunsten der Police wächst weiter. Anders gesagt: Wenn die günstige Police sogar in diesem für den Sparplan geschönten Szenario gewinnt, dann gewinnt sie in der Realität fast immer noch deutlicher.
Wo du dich selbst in diesen Szenarien siehst, kannst nur du beurteilen. Sei dabei ehrlich mit dir. Wir alle halten uns für überdurchschnittliche Autofahrer, was statistisch unmöglich ist. Bei der Geldanlage ist es genauso, und wer sich hier etwas vormacht, verliert am Ende bares Geld.
Fazit
Was bedeutet das für dich persönlich? Die Antwort ist nicht schwarz oder weiß, sie hängt an deiner Lebensrealität.
Wenn du selbst wenig Lust auf Finanzen hast, ist eine kostengünstige ETF-Police für viele die rechnerisch und praktisch bessere Wahl. Du bekommst den Marktzugang über deine ETFs, sparst dir die Vorabpauschale, profitierst von der halbierten Steuerlast in der Entnahmephase und musst dich nicht selbst um das operative Geschäft kümmern. Im besten Fall kaufst du dir dazu die Expertise eines erfahrenen Beraters mit ein.
Wenn du dagegen der Typ bist, der Geldanlage wirklich selbst durchzieht, kann der freie ETF-Sparplan vorne liegen. Allerdings nur unter zwei Bedingungen:
Die erste Bedingung ist, dass du die volle Marktrendite auch wirklich mitnimmst. Das heißt, über Jahrzehnte das nötige Wissen mitbringen, in jeder Lebensphase diszipliniert bleiben, in Krisen nicht in Panik verkaufen und den Sparplan auch bei Hauskauf, Familiengründung, Elternzeit und Jobwechsel durchhalten.
Die zweite Bedingung betrifft den Zeitraum. Wie die Rechnung gezeigt hat, kann die günstige Police in der langen Entnahmephase selbst dann vorbeiziehen, wenn beide exakt die gleiche Rendite hatten. Je länger dein Ruhestand dauert, desto stärker arbeitet die steuergünstige Auszahlung für die Police und gegen das freie Depot.
WeiterlesenDeine Rentenlücke in drei Schritten berechnenWie groß dein Bedarf im Ruhestand überhaupt ist.Wenn du diese Punkte durchgehst und bei jedem ehrlich sagen kannst, dass du dir das zutraust, dann kann der freie Sparplan der leicht überlegene Weg sein. Aber der Vorsprung ist klein, er ist fragil, und über einen langen Ruhestand schmilzt er weg. Von dem riesigen Abstand, den die einschlägigen Vergleiche versprechen, bleibt am Ende wenig übrig.
Meine Empfehlung lässt sich in einem Satz zusammenfassen. Geh die fünf Faktoren ehrlich für deine eigene Situation durch, und wenn die Police passt, akzeptiere nur Verträge mit Effektivkosten um die 1 % oder weniger und keinen, der deine Flexibilität einschränkt.
Vier Bedingungen für eine gute Fondspolice
- Anlagehorizont Du fasst das Geld mindestens 20 Jahre nicht an.
- Kosten Die Effektivkosten liegen bei rund 1 % pro Jahr oder darunter.
- Vertragsaufbau Echte ETFs im Vertrag, und du wählst am Ende zwischen Kapital und Rente.
- Flexibilität Teilentnahmen, Beitragspausen und Umschichtungen kosten nichts extra.
Fondspolicen haben einen schlechten Ruf, mitunter zu Recht. Für die richtige Person füllen sie aber eine Lücke, die der reine ETF-Sparplan offen lässt.
Aus Wissen wird dein Plan.
Du weißt jetzt, worauf es ankommt. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation und du bekommst eine klare Einschätzung, was alles möglich ist und wie die Umsetzung aussehen kann.
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