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10 Dinge, die du vor dem ersten ETF-Kauf wissen musst

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Kurz gesagt

Ein einzelner Welt-ETF ist ein guter Start, aber längst nicht die ganze Geschichte. Wer die Details übersieht, verliert über Jahrzehnte still und leise Rendite. Wir gehen die 10 Punkte durch, die vor dem ersten Kauf zählen. Vom Anlagehorizont über das Klumpenrisiko im MSCI World und die wahre Bedeutung der 7 % Durchschnittsrendite bis zu Kosten, Replikationsmethode und der Frage, ob deine ETFs ins Depot oder in eine Fondspolice gehören.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Anlagehorizont kommt zuerst. Unter 5 Jahren gehört Geld nicht in Aktien-ETFs. Erst ab 10 bis 15 Jahren kannst du Schwankungen zuverlässig aussitzen.
  • Ein MSCI World ist ein guter Start, aber kein Freifahrtschein. Rund 70 % entfallen auf die USA, die zehn größten Unternehmen allein auf etwa ein Viertel. Ein FTSE All-World oder MSCI ACWI deckt mehr ab.
  • Die 7 bis 8 % sind ein Durchschnitt über Jahrzehnte, kein Jahresergebnis. Kalkuliere lieber mit 5 bis 7 % und rechne fest mit Jahren im Minus.
  • Kosten sind der einzige Faktor, den du komplett selbst steuerst. Beim Welt-ETF eine TER unter 0,25 %, bei verwalteten Lösungen ist alles unter 1 % gut und alles über 1,5 % ein Warnsignal.
  • Für den Vermögensaufbau gilt: thesaurierend und physisch repliziert. Und entscheide bewusst über den Rahmen, also Depot für mittelfristige Ziele, gute Fondspolice eher ab 15 bis 20 Jahren.

Der größte Fehler beim ETF-Investieren kostet dich am Ende schnell einen fünfstelligen Betrag. Und das Schlimmste daran ist, dass die meisten gar nicht merken, dass sie ihn machen.

Viele kaufen einfach einen einzigen Welt-ETF, fühlen sich damit gut aufgestellt und übersehen dabei genau die Punkte, die ihnen über Jahre hinweg still und leise Rendite auffressen.

Versteh mich nicht falsch. In ETFs zu investieren ist eine der besten Entscheidungen für deine finanzielle Zukunft. Aber es ist wie beim Hausbau. Ohne das richtige Fundament und ohne Wissen über die kritischen Schwachstellen bricht das ganze Projekt bei der ersten Belastung in sich zusammen.

Genau dieses Fundament bauen wir heute. Hier kommen die 10 Punkte, die du kennen solltest, bevor du deinen ersten ETF kaufst.

Einzelne Zahlen in diesem Artikel verändern sich mit der Zeit, etwa die Zusammensetzung der Indizes oder der Sparerpauschbetrag. Sie entsprechen dem Stand zum Zeitpunkt dieses Artikels. Und natürlich ist das hier keine Anlageberatung, sondern eine Einordnung. Was zu dir passt, hängt an deinen Zielen und deiner Situation.

1. Dein Anlagehorizont entscheidet über alles

Der wichtigste Punkt kommt, bevor du auch nur einen Euro investierst. Dein persönlicher Anlagehorizont. Das klingt nach Fachjargon, meint aber schlicht die Zeitspanne, in der dein Geld ungestört arbeiten kann, weil du nicht darauf angewiesen bist.

Warum ist das so entscheidend? Weil diese Zeitspanne bestimmt, wie viel Risiko du überhaupt eingehen kannst. Die Börse schwankt, das ist keine Neuigkeit. Kurse können kurzfristig um 30, 40 oder sogar 50 % einbrechen. Legst du dein Geld nur für ein bis zwei Jahre an, etwa für einen Autokauf, und genau dann kommt ein Crash, musst du im schlimmsten Fall mit Verlust verkaufen.

Planst du dagegen für die Rente in 30 Jahren, sieht die Sache völlig anders aus. Dann ist ein Kursrückgang keine Katastrophe, sondern eine Kaufgelegenheit, die dein laufender Sparplan automatisch für dich nutzt.

Grob lassen sich drei Zeiträume unterscheiden, die auch dem Überblick zugrunde liegen, welche Anlage zu welchem Ziel passt:

  • Kurzfristig, unter 5 Jahren. Hier liegt dein Notgroschen und alles, was du bald brauchst. Das gehört nicht in Aktien-ETFs, sondern bleibt langweilig auf dem Tagesgeldkonto, am besten getrennt vom Girokonto in einer sauberen Kontenstruktur.
  • Mittelfristig, 5 bis 10 Jahre. Hier kannst du dich defensiv herantasten, zum Beispiel mit 50 % Anleihen-ETFs und 50 % globalen Aktien-ETFs. So hast du Wachstumschancen und trotzdem einen Puffer.
  • Langfristig, über 10 bis 15 Jahre. Das ist die Spielwiese für Aktien-ETFs. Historisch wurden Verluste an den Weltbörsen über 15 Jahre bisher jedes Mal wieder ausgeglichen.

Die Regel ist simpel. Je kürzer der Horizont, desto weniger Risiko darfst du eingehen. Wie du deine finanziellen Ziele findest und priorisierst, ist deshalb der erste Schritt vor jedem ETF-Kauf. Wer das ignoriert, riskiert empfindliche Verluste.

2. Diversifikation ist mehr als ein einzelner ETF

„Breit streuen“ hast du sicher schon gehört. Für die meisten heißt das: Ich kaufe einen MSCI World mit über 1.300 Unternehmen und bin fertig. Das ist ein guter Anfang, aber eben nur ein Teil der Lösung.

Du eliminierst damit zwar das Risiko, dass ein einzelnes Unternehmen dein Portfolio ruiniert. Aber schau genauer hin. Der US-Anteil im MSCI World liegt bei rund 70 %. Und die größten Unternehmen wie Apple, Microsoft und Amazon machen zusammen etwa ein Viertel des gesamten ETFs aus. Geht es der US-Wirtschaft oder dem Tech-Sektor schlecht, zieht das deinen kompletten Vermögensaufbau mit nach unten. Das nennt sich Klumpenrisiko.

Nach Ländern

USA rund 70 %

Nach Unternehmen

Die größten Unternehmen rund 25 % Apple, Microsoft, Amazon und die weiteren Schwergewichte zusammen.
Zweimal derselbe ETF, einmal nach Ländern und einmal nach Unternehmen aufgeteilt. Der helle Rest ist jeweils alles Übrige.

Echte Diversifikation läuft über drei Ebenen:

  • Innerhalb einer Anlageklasse. Das schafft der MSCI World. Du streust über viele Firmen und Branchen.
  • Über Regionen hinweg. Ein MSCI World enthält nur Industrieländer. Schwellenländer wie China, Indien oder Brasilien kommen darin gar nicht vor. Viele kombinieren deshalb einen Industrieländer-ETF mit einem Schwellenländer-ETF, oft im Verhältnis 70/30. Noch einfacher ist ein ETF auf den MSCI ACWI oder FTSE All-World, denn dort sind die Schwellenländer bereits enthalten.
  • Über Anlageklassen hinweg. Den Punkt ignorieren fast alle. Aktien sind nur eine Option. Es gibt auch Immobilien, Anleihen und in manchen Fällen Rohstoffe als Beimischung. Immobilien kaufst du dabei aber besser real und nicht über einen Fonds, denn erst dann greifen die drei Hebel einer vermieteten Immobilie.

Eine nahezu perfekte Streuung würde am Ende 5 bis 10 ETFs umfassen. Fairerweise sinkt der Mehrwert mit jedem weiteren ETF aber spürbar. Ein FTSE All-World ist ein exzellenter Start, mit dem du grob 80 % abgehakt hast. Sei dir nur bewusst, dass auch dort ein hoher US-Anteil drinsteckt. Genau so ein Detail übersieht man schnell, wenn man alles allein angeht.

3. Was „7 % Rendite“ wirklich bedeutet

Finanzrechner und Influencer jonglieren gern mit wilden Zahlen. „Mit 100 € im Monat zum Millionär.“ Dahinter steckt meist die historische Durchschnittsrendite von 7 bis 8 % pro Jahr für Aktien-ETFs. Diese Zahl ist langfristig betrachtet auch korrekt. Das Problem ist nur, wie Einsteiger sie interpretieren.

Viele denken, sie bekommen jedes Jahr zuverlässig ihre 7 %. Man startet mit 1.000 € und hat nach einem Jahr 1.070 € im Depot. Das ist ein weit verbreitetes Missverständnis. In der Realität sieht ein Schnitt von 8 % eher so aus:

Vier Beispieljahre einer Aktienanlage Die Jahresrenditen von vier aufeinanderfolgenden Jahren: plus 25, minus 15, plus 8 und plus 19 Prozent. Der Schnitt über die vier Jahre liegt bei rund 8 Prozent. Nur das dritte Jahr trifft diesen Schnitt tatsächlich, die drei anderen liegen deutlich darüber oder darunter. + 25 % − 15 % + 8 % + 19 % 0 % Jahr 1 Jahr 2 Jahr 3 Jahr 4
Die gestrichelte Linie ist der Schnitt über die vier Jahre.

Im Schnitt über viele Jahre landest du vielleicht bei deinen 7 bis 8 %. Der Weg dorthin ist aber von heftigen Schwankungen geprägt.

Trotzdem liegt genau hier der größte Hebel von ETFs. Legst du 30 Jahre lang 250 € im Monat auf ein Tagesgeldkonto mit 1 % Zinsen, hast du am Ende rund 105.000 €. Steckst du dieselbe Sparrate, die du vorher einmal sauber berechnen solltest, in einen Welt-ETF mit 7 % Rendite, sind es rund 300.000 €. Fast das Dreifache.

Drei Dinge solltest du dir merken:

  1. Rendite ist die Belohnung für Risiko. Die 7 bis 8 % bekommst du nicht geschenkt, sondern dafür, dass du die Schwankungen aushältst.
  2. Die Vergangenheit ist keine Garantie. Nur weil die letzten 50 Jahre gut liefen, muss es nicht so weitergehen. Es ist eine plausible Annahme, mehr nicht.
  3. Realistische Erwartungen schützen dich vor Panik. Kalkuliere lieber mit konservativen 5 bis 7 % und rechne fest damit, dass dein Depot auch mal im Minus steht.

Wer mental nicht darauf vorbereitet ist, begeht schnell den Kardinalfehler. Am Tiefpunkt in Panik verkaufen und damit aus einem Buchverlust einen echten Verlust machen.

4. Nachhaltig oder nicht?

Nachhaltigkeit, oft unter dem Kürzel ESG für Umwelt, Soziales und Unternehmensführung, ist längst ein Dauerthema. Es gibt eine riesige Auswahl an grünen ETFs, die damit werben, nur in „gute“ Unternehmen zu investieren.

Geld verdienen und dabei die Welt verbessern klingt nach einer perfekten Kombination. Hier lohnt aber der genaue Blick. Denn jeder definiert Nachhaltigkeit anders. Es kann deshalb gar nicht die eine perfekte Lösung geben, sondern immer nur den kleinsten gemeinsamen Nenner. Die eierlegende Wollmilchsau wirst du nicht finden. Ein Schritt in die richtige Richtung ist es trotzdem.

Ein Standard-ETF auf den MSCI World kauft schlicht den Index, ohne moralische Filter. Ein nachhaltiges Pendant wie der MSCI World SRI legt Filter an und schließt Branchen wie Tabak, Waffen oder Glücksspiel von vornherein aus.

Der Vorteil liegt auf der Hand. Du investierst nach deinen Werten, und manche argumentieren, dass nachhaltige Unternehmen zukunftsfähiger sind. Die Nachteile solltest du aber kennen:

  • Greenwashing. „Nachhaltig“ ist kein geschützter Begriff. Es kann passieren, dass in einem grünen ETF weiterhin Ölkonzerne stecken, nur weil sie innerhalb ihrer Branche die Besten sind. Prüfe also das Factsheet genau.
  • Weniger Streuung. Jeder Filter verkleinert dein Anlageuniversum. Statt 1.300 Unternehmen sind es dann vielleicht nur noch 400. Das widerspricht dem Grundsatz maximaler Streuung.
  • Höhere Kosten. Der Filteraufwand wird an dich weitergegeben. Nicht dramatisch, aber einen Aufschlag gibt es fast immer.

Wenn dir Nachhaltigkeit wichtig ist, solltest du also bereit sein, mehr Rechercheaufwand, etwas höhere Kosten und eine geringere Streuung in Kauf zu nehmen.

5. Kosten sind dein größter kontrollierbarer Hebel

Die meisten Anleger schauen mit Scheuklappen nur auf die Rendite und ignorieren die Gebühren im Hintergrund. Dabei macht selbst ein Unterschied von 0,3 % pro Jahr über Jahrzehnte den ein oder anderen Tausender aus.

Wichtig ist mir dabei: Es geht nicht darum, Kosten um jeden Preis zu drücken. Eine gute verwaltete Lösung, die dir viel Arbeit abnimmt, darf auch etwas kosten. Es geht um ein Gefühl für ein angemessenes Preis-Leistungs-Verhältnis. Was bekomme ich, und was zahle ich dafür?

Diese Kosten solltest du kennen:

  • Die Gesamtkostenquote (TER). Die jährlichen Kosten des ETFs, die automatisch vom Fondsvermögen abgezogen werden. Du bekommst dafür keine Rechnung, das läuft hinter den Kulissen. Ein guter weltweiter ETF sollte unter 0,25 % pro Jahr liegen.
  • Ordergebühren. Was dein Broker für Kauf und Verkauf verlangt. Bei modernen Neobrokern sind ETF-Sparpläne oft kostenlos, auch wenn sich hier langsam eine Veränderung anbahnt.
  • Spread. Die minimale Spanne zwischen Kauf- und Verkaufspreis an der Börse. Bei großen, liquiden ETFs ist sie zu vernachlässigen.

Deine Strategie ist damit schnell erzählt. Wähle einen günstigen Broker, kostenlose Depotführung und kostenlose Sparpläne sind inzwischen Branchenstandard. Achte auf eine niedrige TER. Bevorzuge große, liquide ETFs wegen des geringeren Spreads. Und wenn du es nicht selbst machen willst, achte auf die Verwaltungsgebühr. Alles unter 1 % ist richtig gut, bei allem über 1,5 % würde ich eher die Finger davon lassen.

Kosten sind einer der ganz wenigen Faktoren, die du zu 100 % selbst in der Hand hast. Nutze diesen Vorteil.

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6. Die Logik hinter dem passiven Management

Warum ist der ETF-Trend überhaupt so groß geworden? Die Antwort ist ein Konzept: passives Management. Um es zu verstehen, lohnt der Blick auf das Gegenstück.

Bei einem aktiven Fonds versucht ein Fondsmanager, den Markt zu schlagen. Er wählt gezielt Aktien aus, um besser abzuschneiden als der Gesamtmarkt. Diesen Versuch lässt er sich gut bezahlen, oft mit 1,5 bis 2 % pro Jahr. Ein Vielfaches dessen, was ein ETF kostet.

Ein passiver ETF hat dieses Ziel gar nicht erst. Seine einzige Aufgabe ist, einen Index so exakt und so günstig wie möglich abzubilden. Ist Apple mit 5 % im Index enthalten, ist Apple mit 5 % im ETF enthalten. Keine teuren Analystenteams, kein Starmanager.

Warum funktioniert diese scheinbar zu simple Strategie so gut? Unzählige Studien zeigen immer wieder dasselbe. Über lange Zeiträume schaffen es 80 bis 90 % aller aktiven Fonds nicht, nach Kosten besser abzuschneiden als ihr Vergleichsindex. Die meisten Anleger in aktiven Fonds zahlen also einen Aufpreis für eine unterdurchschnittliche Rendite.

Für dich heißt das: extrem niedrige Kosten, volle Transparenz und kein Manager-Risiko. Dein Erfolg hängt nicht vom Können oder Glück einer einzelnen Person ab. Ich finde diese Erkenntnis wahnsinnig befreiend. Du musst nicht die Nadel im Heuhaufen suchen. Kauf einfach den ganzen Heuhaufen.

Laufende Kosten pro Jahr

  • Guter Welt-ETF unter 0,25 %
  • Verwaltete Lösung unter 1 % ist gut
  • Aktiver Fonds 1,5 bis 2 %

Ab 1,5 % genau hinschauen. Wichtig: Statistisch gesehen schlagen über 80 % der aktiven Fonds einen ETF nicht nachhaltig.

7. Thesaurierend oder ausschüttend?

Bei der ETF-Auswahl stößt du auf zwei Begriffe. Es geht darum, was mit den Dividenden der enthaltenen Unternehmen passiert.

  • Ausschüttende ETFs (DIST) sammeln die Dividenden und überweisen sie dir regelmäßig aufs Konto, meist einmal jährlich.
  • Thesaurierende ETFs (ACC) behalten sie ein und kaufen davon automatisch neue Anteile.

Was ist besser? Für den langfristigen Vermögensaufbau ist die Antwort klar: thesaurierend. Der Grund ist der Zinseszinseffekt.

Stell es dir wie einen Schneeball vor, der einen Hügel hinunterrollt. Beim ausschüttenden ETF kratzt du jede neue Schneeschicht wieder ab und legst sie beiseite. Der Ball wächst nur langsam. Beim thesaurierenden rührst du ihn nie an. Jede Schicht bleibt haften, er wird schneller größer und nimmt mit jeder Umdrehung noch mehr Schnee auf.

Anfangs ist der Effekt überschaubar. Über Jahrzehnte entfaltet er eine gewaltige Wirkung.

Wann sind ausschüttende ETFs sinnvoll? Vor allem, wenn du bereits im Ruhestand bist und einen regelmäßigen Geldstrom zum Leben brauchst. Manche nutzen sie auch, um den jährlichen Sparerpauschbetrag von aktuell 1.000 € auszuschöpfen. Das kann eine sinnvolle Strategie sein, ist für Einsteiger aber oft mehr Aufwand als Nutzen und unterbricht den automatischen Schneeball.

8. Physisch oder synthetisch repliziert?

Dieser Punkt ist technischer, aber wichtig für die Sicherheit deiner Anlage. Die Replikationsmethode beschreibt, wie der ETF den Index nachbaut.

Physisch replizierende ETFs sind die intuitive Variante. Der Anbieter nimmt dein Geld und kauft damit tatsächlich die Aktien aus dem Index. Was auf dem Etikett steht, ist auch drin. Einfach und transparent.

Synthetisch replizierende ETFs kaufen die Aktien nicht direkt. Sie gehen stattdessen ein Tauschgeschäft, einen sogenannten Swap, mit einem Finanzinstitut ein. Der ETF tauscht dabei die Rendite beliebiger Wertpapiere gegen die Rendite des Index.

Der Nachteil ist das Kontrahentenrisiko. Was passiert, wenn der Tauschpartner zahlungsunfähig wird? Durch die EU-Gesetzgebung ist das stark begrenzt, der Swap-Anteil darf höchstens 10 % des Fondsvermögens ausmachen. Ein Restrisiko bleibt aber. Beim physischen ETF existiert dieser Punkt gar nicht erst.

Für Einsteiger, die auf Transparenz und Sicherheit setzen, lautet die Empfehlung deshalb klar: physisch replizierend. Für alle großen Standard-Indizes gibt es eine riesige Auswahl sehr günstiger physischer ETFs.

9. Marktkapitalisierung oder BIP?

Das ist ein fortgeschrittener Hinweis, der dein Denken über die weltweite Geldanlage aber verändern könnte. Es geht darum, wie ein Welt-Index seine Länder gewichtet. Der Standard ist die Marktkapitalisierung.

Das bedeutet: Je mehr die Firmen eines Landes an der Börse wert sind, desto größer ihr Anteil im Index. Die USA haben die wertvollsten Firmen, also machen sie rund 70 % aus. Das Problem kennst du schon aus Punkt 2. Du trägst ein massives Klumpenrisiko und bildest nicht die reale Weltwirtschaft ab, sondern die aktuelle Börsenstimmung.

Die Alternative ist die Gewichtung nach Bruttoinlandsprodukt (BIP), also nach echter Wirtschaftsleistung. Damit schrumpft der US-Anteil auf etwa 25 bis 30 %, während Europa und die Schwellenländer deutlich stärker ins Gewicht fallen. Das ist insgesamt breiter und robuster aufgestellt.

Was ist besser? Auch hier gibt es keine eindeutige Antwort. Die Marktkapitalisierung ist einfacher umzusetzen und hat in den letzten Jahren besser performt, bringt aber das höhere Klumpenrisiko mit. Die BIP-Gewichtung streut ausgewogener, ist dafür aufwendiger, denn einen fertigen ETF, den du einfach kaufst, gibt es dafür nicht.

Meine Empfehlung: Wenn du Einsteiger bist und es selbst umsetzen willst, ist ein FTSE All-World oder MSCI ACWI der leichtere Weg und bringt dich schon auf die 80-%-Lösung. Wegen der aktuellen Weltlage und des Klumpenrisikos orientieren wir uns bei unseren eigenen Konzepten inzwischen aber eher am BIP, um Risiko aus der Anlage zu nehmen. Diesen Ansatz findest du entsprechend auch in unseren verwalteten Lösungen.

10. Depot oder Fondspolice?

Der letzte Punkt ist zugleich einer der potenziell teuersten Fehler, weil er sich später nur schwer korrigieren lässt. Es geht um den Mantel, in dem du dein ETF-Portfolio hältst. Grundsätzlich gibt es zwei Wege.

Das Wertpapierdepot ist der Standardweg. Du kannst es als Selbermacher aufsetzen, ein Depot beim Broker eröffnen und alles selbst in die Hand nehmen. Hast du darauf keine Lust, gibt es auch hier sehr gute und kostengünstige verwaltete Lösungen.

Die Fondspolice, also die fondsgebundene Rentenversicherung, ist der zweite Weg. Viele verbinden damit alte und maßlos überteuerte Verträge, und je nach Anbieter stimmt das leider bis heute. Moderne Policen sind aber deutlich leistungsstärker, sofern sie drei Kriterien erfüllen: möglichst geringe Kosten, echte ETFs als Kerninvestment und die Flexibilität, im Alter selbst über die Auszahlung zu bestimmen.

Ihr entscheidender Vorteil liegt in der Steuer. Innerhalb des Versicherungsmantels wächst dein Vermögen während der Ansparphase komplett steuerfrei, der Zinseszinseffekt wird also nicht durch jährliche Steuerzahlungen gebremst. Bei der Auszahlung im Alter ist der Gewinn zusätzlich begünstigt, denn du versteuerst nur die Hälfte der Erträge mit deinem persönlichen Steuersatz.

Was ist nun besser? Es kommt darauf an, und zwar auf den Zeithorizont:

  • Für mittelfristige Ziele, also alles unter etwa 15 Jahren, gewinnt klar das Depot. Keine Einstiegskosten, sofort startklar, und der Steuereffekt macht sich auf die kurze Frist kaum bemerkbar. Wenn du also für ein neues Auto sparst oder für ein Eigenheim, das am Ende mehr kostet als nur den Kaufpreis, ist das dein Weg.
  • Für die langfristige Altersvorsorge über 15 bis 20 Jahre und mehr kann eine gute und günstige Fondspolice der bessere, weil steueroptimierte Weg sein, genauso wie das ab 2027 staatlich geförderte Altersvorsorgedepot.

Ab wann welcher Rahmen im Vorteil ist

  • Wertpapierdepot unter 15 Jahren Keine Einstiegskosten, sofort startklar, jederzeit verfügbar.
  • Gute Fondspolice ab 15 bis 20 Jahren Steuerfrei in der Ansparphase, bei Auszahlung nur die Hälfte der Erträge versteuert.
Die Balken zeigen, wo welcher Rahmen im Vorteil ist, nicht wo er möglich ist. Ein Depot funktioniert auch langfristig.

Das eigentliche Problem ist, eine solche günstige Police überhaupt zu finden und von den überteuerten Angeboten zu unterscheiden. Das ist eine der wichtigsten Weichenstellungen überhaupt, und genau hier zahlt sich eine unabhängige Beratung meist aus.

Die vier Grundsätze zum Mitnehmen

Das waren die zehn Punkte. Fassen wir das Wichtigste zusammen:

  1. Definiere deinen Anlagehorizont. Investiere niemals kurzfristig benötigtes Geld in Aktien. Erst ab 10 bis 15 Jahren sind Aktien-ETFs der richtige Weg.
  2. Wähle den passenden Rahmen. Entscheide bewusst, für welches Ziel das flexible Depot und für welches die steueroptimierte Police die bessere Lösung ist.
  3. Finde eine passende Streuung. Für den Einstieg reicht ein breit gestreuter Welt-ETF. Wer motiviert ist oder eine verwaltete Lösung nutzt, kann auch komplexer werden.
  4. Erwarte Schwankungen. Die Börse ist keine Einbahnstraße. Wer das weiß und nicht in Panik verfällt, ist langfristig erfolgreich.

Damit hast du das Rüstzeug, um die häufigsten und teuersten Fehler zu vermeiden. Diesen Weg kannst du ab jetzt auf eigene Faust gehen. Das kostet Zeit und Disziplin, ist aber absolut machbar.

Und wenn du dir denkst, dass dir das alles zu aufwendig ist, du aber trotzdem sicher sein willst, für deine Situation die richtige Entscheidung zu treffen: Nimm gerne Kontakt auf. Dann schauen wir uns deine Ziele an und finden gemeinsam den passenden Weg.

Der größte Fehler wäre jetzt, gar nichts zu tun. Der beste Zeitpunkt zum Investieren war gestern. Der zweitbeste ist heute.

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Häufige Fragen

Auf vier Dinge vor allem. Erstens deinen Anlagehorizont, denn unter 5 Jahren haben Aktien-ETFs nichts zu suchen. Zweitens die Streuung, also lieber ein FTSE All-World oder MSCI ACWI statt nur einem MSCI World. Drittens die Kosten, für einen Welt-ETF sollte die TER unter 0,25 % liegen. Und viertens den Rahmen, also die Frage, ob deine ETFs ins Wertpapierdepot oder in eine Fondspolice gehören.
Für den Einstieg ist ein breit gestreuter Welt-ETF eine sehr gute Lösung, er deckt grob 80 % dessen ab, was du brauchst. Du solltest dir aber bewusst sein, dass ein MSCI World zu rund 70 % aus US-Aktien besteht und keine Schwellenländer enthält. Ein FTSE All-World oder MSCI ACWI schließt diese Lücke. Eine nahezu perfekte Streuung über mehrere Anlageklassen bräuchte 5 bis 10 ETFs, wobei der Mehrwert mit jedem weiteren ETF spürbar abnimmt.
Für den langfristigen Vermögensaufbau in aller Regel thesaurierend. Dabei werden Dividenden automatisch wieder angelegt, wodurch der Zinseszinseffekt ungebremst arbeitet. Ausschüttende ETFs sind vor allem dann sinnvoll, wenn du bereits im Ruhestand bist und einen laufenden Geldstrom brauchst. Manche nutzen sie auch, um den Sparerpauschbetrag auszuschöpfen, das ist für Einsteiger aber meist mehr Aufwand als Nutzen.
Für einen breiten Welt-ETF sollte die Gesamtkostenquote unter 0,25 % pro Jahr liegen. Ein selbst aufgesetztes ETF-Portfolio kommt insgesamt meist auf 0,2 bis 0,4 % jährlich. Nutzt du eine verwaltete Lösung, die dir die Arbeit abnimmt, ist alles unter 1 % ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Bei mehr als 1,5 % solltest du sehr genau hinschauen.
Das hängt am Zeithorizont. Für mittelfristige Ziele unter etwa 15 Jahren ist das Wertpapierdepot meist die bessere Wahl, weil es flexibel und ohne Einstiegskosten ist. Für die langfristige Altersvorsorge über 15 bis 20 Jahre und mehr kann eine gute und günstige Fondspolice überlegen sein, weil das Vermögen im Versicherungsmantel steuerfrei wächst und bei Auszahlung nur die Hälfte der Erträge versteuert wird. Die Schwierigkeit liegt darin, eine wirklich günstige Police von den überteuerten Angeboten zu unterscheiden.
So lange wie möglich. Aktien-ETFs solltest du frühestens nach 5 Jahren anfassen, sinnvoll wird es ab 10 bis 15 Jahren. Historisch wurden Verluste an den Weltbörsen über einen Zeitraum von 15 Jahren bisher immer wieder ausgeglichen. Genau diese Zeit ist es, die aus Schwankungen Rendite macht.
Alexander Molkenthin, Finanzberater bei Investiquo
Geschrieben von
Alexander Molkenthin

Gründer von Investiquo und unabhängiger Finanzberater. Er hilft beruflich etablierten Menschen, ihre Finanzen zu ordnen und einen klaren Plan für ihre Ziele zu bekommen. Einfach und nachvollziehbar.

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