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Frühstartrente beschlossen: Was Eltern jetzt tun müssen

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Kurz gesagt

Mit der Frühstartrente zahlt der Staat ab 2027 jedem Kind ab Jahrgang 2020 zehn Euro im Monat in ein eigenes Altersvorsorgedepot, vom sechsten bis zum achtzehnten Geburtstag. Ältere Kinder gehen leer aus. Insgesamt sind das 1.440 €, die bis zum 65. Geburtstag am Kapitalmarkt auf einen fünfstelligen Betrag wachsen können, nach Inflation deutlich weniger. Ein Anschub, kein Vorsorgeplan. Tun musst du jetzt nichts, das Gesetz ist noch nicht in Kraft und zertifizierte Produkte gibt es erst gegen Ende 2026. Dein eigenes Geld für dein Kind gehört nicht in die Frühstartrente. Unter 30 Jahren Anlagehorizont ins Depot, darüber in eine kostengünstige ETF-Police.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Frühstartrente gilt nur für Kinder ab Jahrgang 2020 mit erstem Wohnsitz in Deutschland. Alle älteren Jahrgänge gehen leer aus, auch wenn sie noch minderjährig sind.
  • 10 € im Monat vom sechsten bis zum achtzehnten Geburtstag sind insgesamt 1.440 €. Weil das Geld bis 65 investiert bleibt, kann daraus ein fünfstelliger Betrag werden. Nach Inflation ist es deutlich weniger, als die Zahl vermuten lässt.
  • In der Ansparphase bleibt alles steuerfrei, die Auszahlung mit 65 wird voll versteuert. Vorher kommt dein Kind nicht an das Geld, auch nicht für Führerschein, Ausbildung oder Hauskauf.
  • Jetzt musst du nichts tun. Das Gesetz ist noch nicht in Kraft, zertifizierte Produkte gibt es voraussichtlich erst gegen Ende 2026, der Start ist für den 1. Januar 2027 geplant. Der Jahrgang 2020 bekommt das Jahr 2026 nachgezahlt.
  • Eigenes Geld gehört nicht in die Frühstartrente. Für Ziele unter 30 Jahren Anlagehorizont ins Depot, darüber in eine kostengünstige ETF-Police. Meistens ist eine Aufteilung der beste Weg.

Dein Kind ist 2020 oder später geboren? Dann zahlt ihm der Staat künftig 10 € im Monat für die eigene Altersvorsorge. Der Regierungsentwurf zur Frühstartrente ist beschlossen, und mit ihm die Frage, was Eltern jetzt damit anfangen sollen.

Heute schauen wir uns an, welche Jahrgänge dabei sind, was von den 10 € bis zum 65. Geburtstag wirklich ankommt, ob du selbst ein Depot eröffnen musst und ob du eigenes Geld dazulegen solltest. Für die letzte Frage rechnen wir 100 € im Monat durch, in der ETF-Police und im Depot.

Dieser Artikel gibt den Regierungsentwurf mit Stand August 2026 wieder. In Kraft ist das Gesetz noch nicht, geplant ist der Start zum 1. Januar 2027. Zertifizierte Produkte gibt es zum Zeitpunkt dieses Artikels noch keine. Die Rechenbeispiele arbeiten mit einer angenommenen Rendite und sind keine Garantie.

Ist dein Kind überhaupt dabei?

Die Frühstartrente gilt nur für bestimmte Jahrgänge. Den Anfang macht der Jahrgang 2020, rückwirkend zum 1. Januar 2026. Ab 2027 rückt jedes Jahr der Jahrgang der dann Sechsjährigen nach.

Welcher Jahrgang ab wann gefördert wird

  • 2019 und früher keine Förderung
  • Jahrgang 2020 ab 2026
  • Jahrgang 2021 ab 2027
  • Jahrgang 2022 ab 2028
  • Jahrgang 2023 ab 2029
Jeder Balken steht für zwölf Jahre Förderung, vom sechsten bis zum achtzehnten Geburtstag. Jeder weitere Jahrgang rückt ein Jahr später nach.

Die bittere Seite dieser Logik: Alle Jahrgänge vor 2020 gehen leider leer aus, auch wenn die Kinder noch minderjährig sind. Dazu kommt nur eine einzige weitere Voraussetzung: der erste Wohnsitz muss in Deutschland liegen. Einkommen und Beruf der Eltern spielen keine Rolle.

Beschlossen ist bisher der Regierungsentwurf, in Kraft ist das Gesetz noch nicht. Geplant ist der Start zum 1. Januar 2027, der Jahrgang 2020 bekommt die Beiträge für 2026 dann nachgezahlt. Dein Kind verliert durch das Warten also nichts.

Was real ankommt

Erst die schlechte Nachricht. 10 € im Monat sind 120 € im Jahr, gezahlt vom sechsten bis zum achtzehnten Geburtstag, also höchstens zwölf Jahre. Macht 1.440 €. Das ist der komplette staatliche Zuschuss.

Die gute Nachricht: Das Geld wird nicht auf einem Konto geparkt, sondern weltweit in Unternehmen investiert. Alles, was über die 1.440 € hinaus entsteht, macht der Kapitalmarkt.

Was aus 10 € im Monat vom Staat wird

  • Zuschuss insgesamt 1.440 € zwölf Jahre lang 10 € im Monat, mehr legt der Staat nicht dazu
  • Depotwert mit 18 rund 2.230 € davon gut 800 € Ertrag
  • Depotwert mit 65 rund 53.600 € 47 weitere Jahre investiert, ohne einen Euro dazu. In heutiger Kaufkraft sind das rund 17.000 €.
Beispielrechnung mit 7 % Rendite pro Jahr und 2 % Inflation, keine Garantie. Der dunkle Anfang jedes Balkens ist der Zuschuss, alles Übrige ist Ertrag.

Und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen, wenn wir das Geld bis 65 mit 7 % Rendite pro Jahr hochrechnen. Natürlich wird sich dein Kind in 59 Jahren nicht mehr das davon leisten können, was heute möglich ist. Berücksichtigen wir 2 % Inflation pro Jahr, bleibt ein immer noch ansehnlicher Restbetrag von rund 17.000 € mit Alter 65.

Das schließt keine Rentenlücke. Es ist ein Anschub und soll dafür sensibilisieren, was mithilfe der Kapitalmärkte alles möglich ist.

Drei Punkte solltest du dazu im Hinterkopf behalten:

  • Steuern. In der Ansparphase sind alle Erträge steuerfrei. Erst die Auszahlung mit 65 wird voll mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
  • Zugriff. Vor dem 65. Geburtstag kommt dein Kind nicht an das Geld. Für Führerschein, Ausbildung oder Hauskauf lässt es sich nicht nutzen.
  • Zuzahlungen. Eltern, Großeltern und alle anderen dürfen bis zu 6.840 € pro Jahr zusätzlich einzahlen. Ob sich das lohnt, klären wir im letzten Abschnitt.
Weiterlesen540 EUR geschenkt? Das neue Altersvorsorgedepot im CheckDieselbe Mechanik, steuerfrei ansparen und mit 65 voll versteuern, gilt ab 2027 auch für die geförderte Vorsorge der Eltern.

Wenn die 10 € vom Staat für dich nett sind, die eigentliche Frage aber lautet, wie die Vorsorge für dein Kind und für euch als Familie insgesamt aussehen soll, dann sortieren wir das im Erstgespräch. Wir schauen, wo ihr steht, was schon passt und wo die Lücken sind.

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Selbst eröffnen oder den Staat machen lassen?

Tust du nichts, legt der Staat die 10 € kollektiv an, gebündelt nach Jahrgängen. Das Geld verfällt nicht und lässt sich später auf einen eigenen Vertrag übertragen.

Eröffnest du selbst ein Depot für die Frühstartrente, wählst du Anbieter und Anlage. Dafür gelten klare Regeln. Maximal ein Prozentpunkt Effektivkosten pro Jahr, und bis zum 18. Geburtstag dürfen keine Abschluss- oder Vertriebskosten anfallen. Das schließt viele teure Angebote von vornherein aus. Ein Wermutstropfen bleibt: In ein bestehendes Depot lässt sich die Frühstartrente nicht einzahlen, es braucht ein eigenes, zertifiziertes Produkt. Wie diese Produkte aussehen, zeigt sich voraussichtlich erst gegen Ende 2026.

Grundsätzlich bin ich ein Fan davon, solche Dinge selbst in die Hand zu nehmen und nicht dem Staat zu überlassen. Der hat mit dem Managen eines solchen Fonds bisher wenig Erfahrung. Für ein finales Urteil ist es aber noch zu früh.

Was du als Elternteil jetzt tun musst

Die kurze Antwort: Stand heute nichts. Du musst nichts eröffnen und nichts unterschreiben. Das Gesetz ist nicht in Kraft, zertifizierte Produkte gibt es noch nicht, der Start ist erst für den 1. Januar 2027 vorgesehen. Die Entscheidung hat also Zeit, je nach Geburtsjahr deines Kindes sogar mehrere Jahre.

Was du heute schon tun kannst, ist die finanzielle Zukunft deines Kindes grundsätzlich zu planen. Dazu gehört die Frage, wohin eine eigene Sparrate für den Nachwuchs gehört.

Eigenes Geld dazu, und wenn ja, wohin?

Nehmen wir 100 € im Monat über 18 Jahre, ab der Geburt. Eingezahlt sind das 21.600 €. Wir vergleichen zwei Wege: eine ETF-Police, also eine Rentenversicherung mit ETFs darin, und ein ETF-Depot. Die Frühstartrente selbst wird sich in der Ansparphase voraussichtlich ähnlich wie die ETF-Police verhalten. Deshalb rechnen wir sie nicht separat mit.

Wichtig: Auch beim ETF-Depot unterstellen wir eine Verwaltungsgebühr von 0,7 % pro Jahr. Ja, das kannst du auch selbst machen und dir die Kosten sparen. Wir rechnen sie trotzdem hinein, aus zwei Gründen: Erstens ist es so vergleichbar, denn bei beiden Lösungen musst du selbst nicht aktiv werden. All-inclusive gegen All-inclusive statt Äpfel mit Birnen. Zweitens, und das ist der wichtigere Grund: Vanguard, einer der größten ETF-Anbieter der Welt, untersucht in seiner Studienreihe Advisor's Alpha seit Jahren, was professionelle Begleitung gegenüber dem Selbermachen wert ist, und beziffert den Mehrwert auf rund 3 Prozentpunkte pro Jahr. Da sind 0,7 % Abschlag eine konservative Annahme.

Wir rechnen mit 7 % Rendite pro Jahr, die Police mit realen Effektivkosten von 0,74 % aus einem konkreten Angebot. Alle Werte sind das, was nach Steuern ankommt.

100 € im Monat bis 18, Wert nach Steuern

  • ETF-Depot
  • ETF-Police
400.000 € 200.000 € Einzahlung endet Geburt 18 30 65
nach Steuern mit 18 mit 65
ETF-Depot 36.900 € 313.100 €
ETF-Police 33.200 € 593.700 €
Der Punkt markiert, wo die Police das Depot überholt. Beispielrechnung, keine Garantie.

Nach 18 Jahren liegt das Depot vorn. Die Police startet wegen ihrer Anfangskosten langsamer. Nach rund 30 Jahren zieht sie vorbei, und bis 65 wächst ihr Vorsprung auf fast das Doppelte. Der Grund ist die Steuer. Im Depot kosten Umschichtungen und der Verkauf laufend Steuern, in der Police greift bei der Auszahlung im Alter ein deutlich milderes Verfahren.

Die Faustformel lautet also: unter 30 Jahren Anlagehorizont das Depot, darüber die Police.

Und die Frühstartrente? Für dein eigenes Geld lohnt sie sich nicht. Sie bietet keinen steuerlichen Vorteil gegenüber einer kostengünstigen ETF-Police. Eigene Einzahlungen darfst du laut Finanzministerium zwar jederzeit wieder entnehmen, zu welchen Bedingungen und mit welchen Steuerfolgen, legen aber erst die Verträge fest, und die gibt es noch nicht. Fairerweise: Durch den Kostendeckel kann sie günstiger sein als manche Police. Prüfe Angebote also genau und lass dich nicht auf überteuerte Preise ein.

WeiterlesenFondspolice vs. ETF-Sparplan: Wann sich der Steuervorteil wirklich lohntDieselbe Rechnung über ein ganzes Anlegerleben, mit den fünf Faktoren, an denen sie hängt.

Ob Depot oder Police, ist am Ende die Frage, welche Anlage zu welchem Ziel passt. Geld für den Führerschein? Ganz klar Depot. Unterstützung für die Altersvorsorge des Kindes? Definitiv Police. Und je nach Sparrate ist das selten ein Entweder-oder. Meistens ist eine Aufteilung der beste Weg.

Fazit

Die Frühstartrente ist ein nettes Geschenk, aber kein Vorsorgeplan. Dein eigenes Geld für deinen Sohn oder deine Tochter gehört woanders hin.

Konkret heißt das: Prüfe das Geburtsjahr, 2020 oder später ist dabei, alles davor nicht. Vergleiche Ende 2026 die Anbieter und eröffne das Depot für die 10 € vom Staat. Und fürs eigene Geld gilt die Faustformel: unter 30 Jahren Horizont ins Depot, darüber in eine kostengünstige ETF-Police, nicht in die Frühstartrente.

Das Schöne daran: Auf die Frühstartrente musst du warten, auf die eigene Anlage nicht. Da kannst du heute loslegen, und das solltest du auch, denn jedes Jahr Warten kostet beim Investieren echtes Geld.

Dein nächster Schritt

Aus Wissen wird dein Plan.

Du weißt jetzt, worauf es ankommt. Im kostenlosen Erstgespräch schauen wir gemeinsam auf deine Situation und du bekommst eine klare Einschätzung, was alles möglich ist und wie die Umsetzung aussehen kann.

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Häufige Fragen

Jedes Kind ab dem Geburtsjahrgang 2020, das seinen ersten Wohnsitz in Deutschland hat. Gezahlt wird vom sechsten bis zum achtzehnten Geburtstag, also maximal zwölf Jahre lang. Einkommen und Beruf der Eltern spielen keine Rolle. Kinder, die vor 2020 geboren sind, bekommen nichts, auch wenn sie noch minderjährig sind.
Der Start ist für den 1. Januar 2027 geplant. Den Anfang macht der Jahrgang 2020, für den die Beiträge rückwirkend ab dem 1. Januar 2026 nachgezahlt werden. Danach rückt jedes Jahr der Jahrgang der dann Sechsjährigen nach, 2027 also der Jahrgang 2021, 2028 der Jahrgang 2022. Beschlossen ist bisher der Regierungsentwurf, in Kraft ist das Gesetz zum Zeitpunkt dieses Artikels noch nicht.
10 € im Monat über zwölf Jahre sind 1.440 €. Mehr legt der Staat nicht dazu. Weil das Geld am Kapitalmarkt angelegt wird und bis zum 65. Geburtstag investiert bleibt, wächst es weiter. Bei 7 % Rendite pro Jahr stehen zum 18. Geburtstag rund 2.230 € im Depot und mit 65 rund 53.600 €. Nach 2 % Inflation pro Jahr entspricht das heute rund 17.000 €. Ein Beispiel, keine Garantie.
Nein. Eröffnest du nichts, legt der Staat die 10 € kollektiv an, gebündelt nach Jahrgängen. Das Geld verfällt nicht und lässt sich später auf einen eigenen Vertrag übertragen. Eröffnest du selbst ein Depot, wählst du Anbieter und Anlage. Dafür gelten ein Kostendeckel von einem Prozentpunkt Effektivkosten pro Jahr und ein Verbot von Abschluss- und Vertriebskosten bis zum 18. Geburtstag. In ein bestehendes Depot lässt sich die Frühstartrente nicht einzahlen, es braucht ein zertifiziertes Produkt.
Ja, bis zu 6.840 € pro Jahr zusätzlich, von Eltern, Großeltern oder wem auch immer. Rechnerisch lohnt sich das für eigenes Geld aber nicht. Die Frühstartrente bietet keinen steuerlichen Vorteil gegenüber einer kostengünstigen ETF-Police. Anders als der staatliche Zuschuss dürfen eigene Einzahlungen samt Erträgen zwar jederzeit entnommen werden, die genauen Bedingungen stehen aber erst in den Verträgen. Für Ziele unter 30 Jahren Anlagehorizont ist das Depot die bessere Wahl, für die Altersvorsorge des Kindes eine günstige ETF-Police.
Frühestens mit 65. Eine vorzeitige Entnahme für Führerschein, Ausbildung oder Hauskauf ist nicht vorgesehen. Die Frühstartrente ist, wie der Name sagt, ausschließlich auf die Altersvorsorge ausgerichtet.
In der Ansparphase fließt kein Cent ans Finanzamt, egal wie hoch die Gewinne sind. Erst die Auszahlung ab 65 wird voll mit dem persönlichen Einkommensteuersatz versteuert.
Das hängt am Anlagehorizont. In unserer Beispielrechnung mit 100 € im Monat ab der Geburt, 7 % Rendite und 0,74 % Effektivkosten der Police liegt nach 18 Jahren das Depot mit rund 36.900 € vor der Police mit rund 33.200 €, jeweils nach Steuern. Nach rund 30 Jahren zieht die Police vorbei, mit 65 stehen dort rund 593.700 € gegen rund 313.100 € im Depot. Faustformel: Geld für den Führerschein ins Depot, Geld für die Altersvorsorge des Kindes in eine kostengünstige ETF-Police.
Alexander Molkenthin, Finanzberater bei Investiquo
Geschrieben von
Alexander Molkenthin

Gründer von Investiquo und unabhängiger Finanzberater. Er hilft beruflich etablierten Menschen, ihre Finanzen zu ordnen und einen klaren Plan für ihre Ziele zu bekommen. Einfach und nachvollziehbar.

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