Mit dieser Kontenstruktur sparst du automatisch mehr
Wer alles auf einem Konto hat, gibt zu viel aus. Nicht aus Unvernunft, sondern weil das Gehirn den Kontostand als verfügbar liest. Die Lösung ist eine Trennung nach Verwendungszweck. Das Girokonto wird zum Durchgangsbahnhof, daneben stehen mindestens zwei Unterkonten für Rücklagen und für Spaß. Dazu kommt der Grundsatz, sich selbst zuerst zu bezahlen. Wir zeigen dir das Modell, den 50/50-Trick bei der nächsten Gehaltserhöhung und die Banken, mit denen du das Ganze in wenigen Minuten umsetzt.
Das Wichtigste in Kürze
- Ein Konto für alles ist die Wurzel des Problems. Trenne dein Geld strikt nach Verwendungszweck, dann schützt dich die Struktur vor dir selbst.
- Das Girokonto ist nur der Durchgangsbahnhof. Übrig bleibt dort ausschließlich, was du in diesem Monat wirklich brauchst.
- Mindestens zwei Unterkonten als Basis: eines für Rücklagen und Notgroschen, eines für Urlaub und Freizeit. Namen wie „Malediven“ oder „Autokauf“ verstärken den Effekt.
- Bezahle dich selbst zuerst. Verteile direkt nach Gehaltseingang per Dauerauftrag, nicht erst mit dem Rest am Monatsende.
- Bei der nächsten Gehaltserhöhung 50 % in langfristige Investments, 50 % aufs Spaßkonto. So sparst du mehr, ohne dich eingeschränkt zu fühlen.
Stell dir vor, du baust ein Luxushaus. Marmorböden, goldene Wasserhähne, Smart Home ohne Ende. Das ist dein Depot, das sind deine Investments. Nur baust du dieses Haus auf einem Sumpfgebiet, ohne festes Fundament.
Was passiert beim ersten Sturm? Wenn die Waschmaschine explodiert oder das Auto beschließt, spontan in den vorzeitigen Ruhestand zu gehen? Richtig, das Haus bekommt Risse. Du musst Anteile aus deinem Depot verkaufen. Und zwar möglicherweise genau dann, wenn die Kurse gerade im Keller sind.
Das Fundament, um das es heute geht, ist ziemlich unspektakulär. Es sind deine Giro- und Tagesgeldkonten. Genauer gesagt die Art, wie du sie anordnest. Eine saubere Kontenstruktur schützt dich vor diesem Szenario. Und sie sorgt ganz nebenbei dafür, dass du automatisch mehr sparst, ohne dich einschränken zu müssen.
Das Problem: ein Konto für alles
Die meisten Leute haben ein Eines-für-alles-Konto. Da geht das Gehalt ein, da gehen Miete, Strom und der Wocheneinkauf ab. Und, das ist der größte Fehler, da liegen auch die Rücklagen für den Urlaub und der Notgroschen.
Das Problem daran ist nicht mathematischer, sondern psychologischer Natur. Du schaust in die App, siehst 3.000 € und dein Gehirn ruft sofort „Super, dann ist das neue iPhone ja doch drin“. Dass davon 1.500 € für die Versicherung im Januar reserviert sind, blendet es praktischerweise aus.
Wir brauchen also keine bessere Disziplin. Wir brauchen eine Struktur, die uns vor uns selbst schützt.
Dieselben 3.000 €
- Ein Konto für alles Alles zusammen 3.000 € Gefühlt verfügbar 3.000 €
- Getrennt nach Zweck Girokonto 1.500 € Rücklagen 1.500 € Gefühlt verfügbar 1.500 €
Die Lösung: Trennung nach Verwendungszweck
Die Lösung ist erfreulich simpel. Du trennst dein Geld nach Verwendungszweck.
Dein Haupt-Girokonto ist dabei nur noch der Durchgangsbahnhof. Das Gehalt kommt an und fährt sofort weiter, in deine Unterkonten und in deine Investments. Übrig bleibt ausschließlich das, was du in diesem Monat tatsächlich brauchst. Miete, Strom, Lebensmittel, Spotify.
Ob dein Unterkonto technisch ein zweites Girokonto oder ein Tagesgeldkonto ist, spielt dabei erstmal keine Rolle. Hauptsache, es ist physisch getrennt von deinen laufenden Ausgaben.
Mindestens zwei separate Töpfe
Welche Unterkonten konkret sinnvoll sind, hängt stark von deinen persönlichen Präferenzen ab. Als Basis empfehle ich dir mindestens zwei:
- Rücklagen und Puffer. Hier liegt dein Notgroschen von drei bis sechs Monatsausgaben, der bei der Priorisierung deiner finanziellen Ziele immer ganz oben steht. Dazu kommt alles, was du für geplante größere Anschaffungen zurücklegst. Das neue Auto zum Beispiel.
- Spaß. Urlaube, Festivals, Freizeit. Alles, was gut tut und trotzdem geplant sein will.
Wenn du es ganz sauber willst, gib jedem Projekt einen eigenen Namen. Unterkonto „Malediven“, Unterkonto „Autokauf“, Unterkonto „Notgroschen“.
Der Effekt ist größer, als es klingt. Wenn du siehst, dass auf dem Malediven-Konto 2.000 € liegen, kannst du die Reise buchen. Ohne schlechtes Gewissen und ohne Angst vor der nächsten Mietabbuchung. Das Geld liegt ja genau dafür bereit.
Bezahle dich selbst zuerst
Ein unterschätzter, aber wahnsinnig wichtiger Grundsatz lautet: Bezahle dich selbst immer zuerst.
Das heißt, du wartest nicht bis zum Monatsende und parkst dann um, was zufällig übrig geblieben ist. Du verteilst sofort nach Gehaltseingang auf deine Unterkonten und in deine Investments. Am besten per Dauerauftrag, ein bis zwei Tage nach dem Zahltag.
So umgehst du dieselbe psychologische Falle wie oben. Was gar nicht erst auf dem Girokonto liegen bleibt, fühlt sich auch nicht nach verfügbarem Geld an. Wie viel dabei in welchen Topf fließen sollte, ergibt sich daraus, wie du deine Sparrate berechnest.
Wohin dein Gehalt läuft
Gehalt- Rücklagen Notgroschen und geplante Anschaffungen
- Spaß Urlaub, Festivals, Freizeit
- Investments langfristige Ziele
Der Trick mit der Gehaltserhöhung
Wenn du dich aktuell schwertust, überhaupt etwas beiseitezulegen, hilft dir vielleicht der folgende Trick. Bei der nächsten Gehaltserhöhung planst du 50 % davon für Investments ein, die dich langfristig wirklich voranbringen. Die anderen 50 % gehen aufs Spaßkonto.
Der Clou daran ist der Vergleich zum Vormonat. Du sparst deutlich mehr als vorher und hast trotzdem mehr zum Ausgeben als davor. So erziehst du dich Schritt für Schritt zu mehr Sparsamkeit, ohne dass es sich jemals nach Verzicht anfühlt.
Über welche Bank setzt du das Ganze um?
Bevor wir zu konkreten Namen kommen, kurz die Frage, was eigentlich wichtig ist. Aus meiner Sicht sind das vor allem drei Punkte:
- Kostenfreie Kontoführung.
- Die Möglichkeit, überhaupt Unterkonten einzurichten.
- Hohe Nutzerfreundlichkeit von App und Online-Banking.
Auf dieser Basis kann ich dir vor allem zwei Anbieter wärmstens ans Herz legen.
ING
Dort bin ich selbst seit mittlerweile über zehn Jahren Kunde und seit jeher zufrieden. Extrem solide, top App, verlässlicher Service.
Der große Vorteil ist die Bandbreite. Neben dem Girokonto der ING und dem Tagesgeldkonto bekommst du hier bei Bedarf auch Kredite, Baufinanzierungen und ein Depot. Es gibt praktisch nichts, was es nicht gibt. Ein sehr gutes Rundumpaket also, gerade wenn du später ohnehin mehr brauchst als nur ein Konto.
C24 Bank
Der Newcomer, der aktuell den Markt ziemlich aufmischt. Die C24 Bank konzentriert sich voll aufs Kerngeschäft, also auf Giro- und Tagesgeldkonten. Und das macht die Bank richtig, richtig gut.
Das Beste daran sind die Unterkonten, dort Pockets genannt. Die legst du kinderleicht in der App an und sie können sogar eine eigene IBAN bekommen. Damit setzt du das Modell aus diesem Artikel praktisch in ein paar Minuten um.
Trade Republic
Ein dritter Kandidat, der der Vollständigkeit halber genannt werden muss. Die meisten kennen die Plattform vor allem vom Aktien- und ETF-Kauf. Du kannst sie aber genauso gut als reines Parkdeck für deine liquiden Mittel nutzen.
Der Funktionsumfang von Trade Republic ist deutlich abgesteckter als bei C24 oder der ING. Dafür sind die Zinsen kaum zu schlagen. Zum Zeitpunkt dieses Artikels waren es 2 % pro Jahr.
Richtig stark finde ich vor allem das Prinzip dahinter. Der Zins orientiert sich am EZB-Leitzins und ist nicht zeitlich befristet wie viele Lockvogel-Angebote da draußen. Du hast also eine gewisse Gewähr, dass du dich auch in drei Monaten noch darauf verlassen kannst. Das finde ich persönlich extrem fair.
Keine Angst vor dem Kontowechsel
Vielleicht denkst du jetzt „Oah, dann muss ich ja jeden einzelnen Dauerauftrag und jedes Lastschriftmandat umziehen“. Da kann ich dich beruhigen. Sowohl die ING als auch die C24 Bank bieten einen Kontoumzugs-Service an. Der nimmt dir genau diese mühselige Arbeit ab.
Kurzer Exkurs: Was ist mit Festgeld?
Eine Frage bekomme ich in diesem Zusammenhang immer wieder gestellt. „Soll ich mein Geld für zwei Jahre festschreiben, um 2,5 % zu bekommen?“
Meine Meinung dazu: in neun von zehn Fällen eher nicht. Du gibst deine komplette Flexibilität auf, und das für überschaubare 0,5 % mehr Zinsen als beim Tagesgeld. Wenn dir in diesen zwei Jahren plötzlich die Heizung platzt, kommst du an dein Geld nicht heran.
Am Ende musst du selbst abwägen, ob dir der Mehrzins diese Fesseln wert ist. Ich persönlich bleibe lieber flexibel. Wann Festgeld trotzdem passt und was zu welchem Zeithorizont gehört, schauen wir uns im Überblick über die Anlageformen genauer an.
Deine Hausaufgabe
Schau dir deine aktuelle Kontenstruktur an. Trenne laufende Kosten, Notgroschen und Rücklagen sowie dein Spaßkonto klar voneinander.
Das ist wirklich kein großer Akt. Es kostet dich einen Nachmittag. Danach nimmt die Struktur die Emotionen aus dem Spiel und schafft Ordnung, wo vorher ein einziger großer Topf war.
Zusammen mit einer der genannten Banken hast du damit ein ausgezeichnetes Fundament für alle weiteren Schritte auf deiner persönlichen finanziellen Roadmap. Das Luxushaus darf danach gerne kommen. Diesmal steht es auf festem Grund.
Und wenn du wissen möchtest, ob dein Fundament wirklich trägt: Nimm gerne Kontakt auf, dann schauen wir gemeinsam drauf.
Aus Wissen wird dein Plan.
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